Montag, 11. September 2017

Viele Wege führen zum Ziel - Attachment Parenting als Reise



Betrachten wir die Elternschaft als Reise, so begehen immer mehr Eltern diese im Namen des Attachment Parenting. Der Weg soll beziehungs- und bedürfnisorientiert gestaltet werden und das Ziel sind sicher gebundene und zufriedene Kinder, die sich auf jeder Station der Reise geliebt und geborgen fühlen.

Reiseliteratur gibts jede Menge. Neben William und Martha Sears, den Begründern des Attachment Parenting, bin ich persönlich Fan von Susanne Mierau, Nora Imlau, Herbert Renz-Polster sowie Julia Dibbern und Nicola Schmidt. Auch die neuen Medien bieten mit tollen Blogs wie etwa „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten“, diversen Foren und Facebookgruppen schier unendliche Möglichkeiten.

Nun gut, wir sind also bestens eingelesen und kurz bevor die Reise losgeht, wird gepackt. Manchmal macht es fast den Anschein, wir würden jede Menge Dinge unbedingt benötigen im Attachment-Parenting-Rucksack: Tragetücher in wunderschönen Designs und modernste Tragehilfen, maßgetischlerte Familienbetten, nachhaltig produzierte Bio-Babykleidung, ausgeklügelte Stoffwindelsysteme und pädagisch wertvolle Spielsachen. Diese Dinge sind toll, keine Frage – aber unbedingt nötig sind sie nicht, um einen beziehungs- und bedürfnisorientierten Weg zu gehen. Wichtig ist die Grundhaltung, die Einstellung dem Kind gegenüber. Die Wege aber sind vielfältig und es gibt nicht den einen, den richtigen Weg.


Idealerweise startet die Reise mit einer natürlichen Geburt, aber leider ist das nicht immer möglich. Kaiserschnittkinder haben vielleicht einen etwas schwierigeren Start, aber über die weitere Entwicklung der Eltern-Kind-Beziehung sagt die Form der Geburt nicht viel aus. Ähnlich verhält es sich mit der nächsten Reiseetappe, dem Stillen. Ohne Frage ist Muttermilch die beste Ernährung für Babys und Stillen fördert die Bindung. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es auch anders geht. Leider konnte ich trotz größten Bemühungen den Sohnemann nicht lange stillen und das hat mir sehr stark zugesetzt. In emotionalen Momenten fühlte ich mich wie eine Versagerin, die ihr Kind nicht ernähren kann und ihm so etwas Essentielles vorenthalten muss. Im Laufe der Zeit habe ich mich damit versöhnt, wir haben sehr viel getragen und kuschelnd PRE nach Bedarf gefüttert. Soweit ich das als Mama beurteilen kann, haben wir eine sehr gute Bindung – nicht anders als meine Tochter und ich, die ich nach wie vor stille. Und dann gehts weiter Richtung Familienbett. Ich persönlich liebe es, finde es einfach auch unglaublich praktisch und unsere Kinder schlafen deutlich besser, wenn wir neben ihnen liegen. Aber wenn Mama und Papa die ganze Nacht kein Auge zu machen können und auch die Zwerge immer wieder wach werden, spricht doch auch nichts gegen Kinderbetten oder –zimmer, sofern das Einschlafen liebevoll begleitet wird und die Kinder sich nicht in den Schlaf weinen müssen. Um nochmal beim Bild der Reise zu bleiben: Das bevorzugte Verkehrsmittel für Babys und Kleinkinder ist das Tragetuch, aber natürlich lässt sich die Strecke auch im Kinderwagen gut bewältigen. Viele bedürfnisorientierte Eltern tragen gern und viel im Tragetuch und auch mein Mann und ich hätten es niemals missen wollen. All die Gründe, warum ich meine Kinder trage, könnt ihr in meiner Liebeserklärung ans Tragetuch hier noch mal nachlesen. Aber es gibt Babys, die sich absolut wohl und geborgen fühlen im Kinderwagen und oft ist es auch nützlich, Tuch und Wagen parallel und im Wechsel zu nutzen. Wie gesagt, viele Wege führen zum Attachment Parenting <3.

Was ist denn aber nun wirklich essentiell? Was muss in den Rucksack? Wie das Wort „bedürfnisorientiert“ schon sagt, geht es darum, die Bedürfnisse der Familienmitglieder so feinfühlig und gut wie möglich zu erfüllen. Da heißt es oft abwägen, welches Bedürfnis wichtiger oder dringender ist, aber meiner Meinung nach gehen jene von Babies und kleinen Kindern meistens vor. Ich als Erwachsene kann meine Bedürfnisse reflektierter betrachten und auch mal aufschieben. Mit ins Reisegepäck muss ein wertschätzender und liebevoller Umgang mit den Kindern auf Augenhöhe, viel Nähe und Zuwendung. Auf physische und psychische Gewalt wird verzichtet.

Und wie das so ist auf Reisen – ab und zu ist all das gewaltig anstrengend. Ich habe hier schon mal über unsere sehr anstrengenden Phasen geschrieben und die gibt es immer wieder mal. Das ist okay so und Mamasein ist nun mal mein Job. Auch andere Jobs sind mal mühsam und stressig, es kommen wieder andere Zeiten. Dennoch lebe ich das Leben mit unseren Kindern aus voller Überzeugung so, ich entscheide mich bewusst Tag für Tag dafür, dass sie durch unsere gute Beziehung und Bindung den bestmöglichen Start ins Leben erfahren dürfen. Sollte ich irgendwann derart an meine Grenzen kommen, dass eine Weiterreise nicht mehr möglich ist, muss ich die Route ändern. Bis dahin versuche ich, jeden Tag der Reise zu genießen, ganz getreu dem abgedroschenen Motto „Der Weg ist das Ziel“. 

Liebe wunderbare Mamis da draußen, verabschiedet euch vom Perfektionismus, alles immer richtig zu machen und geht euren eigenen Weg. Den Weg eurer Familie. Schaut darauf, was eure Kinder brauchen und schaut auch drauf, was ihr brauchen könnt, um den Weg selbstbewusst gehen zu können. Holt euch all die Hilfe, die ihr kriegen könnt und versucht Tag für Tag wieder, die Zeit mit dem Wertvollsten in eurem Leben zu genießen – euren Kindern <3. Habt eine gute Reise!

Mittwoch, 6. September 2017

Spielidee: Labyrinth aus Duplosteinen

Heute möchte ich euch gern zeigen, was der Sohnemann und ich gestern gebaut haben - ein Labyrinth aus Duplosteinen, durch das man durch Kippen in alle Richtungen eine Kugel rollen lassen kann. Wir haben eine große Holzperle dafür verwendet. Die Idee stammt von hier, dem wunderbaren Blog "Wunschkind-Herzkind-Nervkind". Ursprünglich wurden Legosteine verwendet, für kleinere Kinder eignet sich aber auch die vereinfachte Version aus Lego-Duplo wunderbar. Das Labyrinth ist flott zusammengebaut (ältere Kinder kann man wunderbar bei der Planung und Ausführung einbeziehen) und trainiert spielerisch Feinmotorik, Raumwahrnehmung und Konzentration. Der Sohnemann war begeistert und hat sich wirklich lange damit beschäftigt.


Vielleicht hat ja jemand Lust, die Idee aufzugreifen und nachzubauen.

Schönen Abend euch allen!

Montag, 21. August 2017

Kinderarbeitsplatz im Garten



Wir lieben es, unsere Tage draußen zu verbringen und die Kinder helfen auch sehr gern bei verschiedenen Tätigkeiten. Heute möchte ich euch gern zeigen, welche Geräte der Sohnemann aktuell in Verwendung hat und euch ermutigen, den Kindern die Arbeit mit echtem Werkzeug zuzutrauen.

In einem Randbereich des Gartens steht unsere Gartenhütte mit Gartenwerkzeug, Rasenmäher, Gartenmöbeln und dergleichen. Im Anschluss an die Hütte befindet sich noch ein überdachter Bereich, wo die Werkbank des Sohnemanns ihren Platz gefunden hat. So kann er sie auch bei Regen wunderbar nutzen. Gleich daneben bewahren wir aktuell die Gartenwerkzeuge von ihm und der kleinen Schwester auf.


Die Werkbank war ursprünglich eine Spielzeug-Werkbank mit Werkzeug aus Holz. Da diese im Wohnbereich aber nur sehr kurz interessant war und der Sohnemann schon immer mehr an Papas echtem Werkzeug Interesse zeigte, haben wir sie nach draußen gestellt und mit echtem, kindgerechten Werkzeug bestückt. Hierbei ist zu beachten, dass das Werkzeug von kleinen Händen gehalten werden kann, nicht zu schwer und nicht allzu „gefährlich“ ist. Grundsätzlich denke ich aber, dass Kinder sehr wohl mit gefährlichem Gerät umgehen können, wenn sie langsam daran gewöhnt werden und ihnen die Gefahr bewusst ist. Unser Sohn darf unter Aufsicht Akkuschrauber und Gartenschere nutzen. Die Werkzeuge auf seiner Werkbank sind jederzeit für ihn zugänglich. Dazu zählen kleine Hammer, eine flache Zange, eine kleine Handsäge, eine Wasserwaage, Maßstab und –band sowie Schleifpapier. Im Fach unter der Werkbank befinden sich Holz- und Styrodurreste, die sich wunderbar zum Sägen und zum Einhämmern von Nägeln eignen. Sehr beliebt ist auch eine Rolle Absperrband aus dem Baumarkt. 



Für die Mithilfe bei der Gartenarbeit stehen Arbeitshandschuhe, eine kleine Gartenschaufel, verschiedene große Schaufeln und Rechen, ein Besen und der kleine Schubkarren zur Verfügung. Einige Tröge mit Erde eignen sich zum Bepflanzen mit Kresse oder Gemüse, dazu habe ich hier schon mal geschrieben. Beim Spritzen der Blumen hilft auch das Töchterlein schon mit Begeisterung mit, so hat jedes Kind eine Gießkanne in passender Größe. 

Die Kinder erfüllt es mit großer Freude, mithelfen zu dürfen. Sie verausgaben sich gern körperlich beim Hämmern und Sägen, erfahren Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit durch sinnvolle Tätigkeiten und die frische Luft tut ihnen gut. Und natürlich wird nicht nur gearbeitet ;-). Auch in unserem Garten gibt es eine Schaukel, eine Sandkiste, eine Wippe, Rutschautos und Laufräder sowie an heißen Tagen ein Plantschbecken. Alles wird viel benützt und bietet jede Menge Sinneserfahrungen und Spaß, denn das ist schlussendlich das Allerwichtigste.




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Samstag, 12. August 2017

Unser Montessori-inspirierter Garderobenbereich und ein Trick ;-)



Heute steht bei der Montessori-Entdecker-Blogreihe das Thema vorbereitete Umgebung in der Garderobe am Programm. Gleich vorweg, unser Garderobenbereich für die Kinder ist absolut nichts Besonderes und schon gar nicht schick, aber darum geht es auch nicht. Wichtig bei der vorbereiteten Umgebung ist es, dass die Kinder möglichst viel selbstständig agieren können und damit Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit erfahren.
Wir haben aus praktischen Gründen die Kindergarderobe in der Garage angesiedelt. Wir sind bei jedem Wetter draußen und die Kinder dürfen oft und gern im Dreck spielen und matschen. Dementsprechend sehen dann auch Schuhe und Kleider aus, so dass es sich anbietet, diese nicht im sauberen Hauseingangsbereich aufzubewahren. Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, liegt die Garderobe ebenfalls am Weg ins Haus und so ist dieser Platz eigentlich ideal.


Die Kindergarderobe ist kombiniert mit einigen Haken für die Alltags-Outdoorkleidung von uns Erwachsenen. Mein Mann und ich haben sie aus einfachen, unbehandelten Eichenbrettern selbst gezimmert. Für die Kinder haben wir lustige bunte Haken mit verschiedenen Tieren in ihrer Höhe montiert. Darauf finden Jacken, Matschhosen und ihre Fahrradhelme Platz. Daneben steht eine Bank in Kindergröße zum An- und Ausziehen der Schuhe. In den Körbchen bewahren wir häufig benötigte Stirnbänder und Mützen auf, im Winter auch Handschuhe und Schals.
Der kleine Spiegel hilft beim Aufsetzen der Kopfbedeckungen.


Das Anziehen der Schuhe gelingt dem Sohnemann schon recht gut allein, nur vertauscht er ab und zu den linken und den rechten. Hier habe ich mir einen kleinen Trick überlegt. Mit Kugelschreiber male ich auf die Innenseite der Sohle zwei kleine lachende Gesichter. Wenn die beiden sich anlachen, stehen die Schuhe richtig und können angezogen werden. Damit kommt der Sohnemann nun gut zurecht. 


Kennt ihr übrigens den Jackentrick? Der ist bei uns seit Monaten der Hit – hier könnt ihr Bilder und Beschreibung finden.  

Was sich bei uns außerdem sehr bewährt hat, ist ein großes Waschbecken im Eingangsbereich. Nach dem Matschen oder Gartenarbeiten kann der Sohnemann hier seine schmutzigen Hände selbstständig waschen. Ein Tritthocker und eine Verlängerung des Wasserhahns helfen ihm dabei und ich bin froh, dass der gröbste Schmutz in der Garage bleibt ;-). 


Soweit unsere einfache Garderobenlösung. Wie sieht das bei euch aus?