Sonntag, 6. August 2017

„Ich will helfen, Mama!“ - Kinder in der Küche



Heute geht es bei den Montessori-Entdeckern im Rahmen des Montessori-Montags weiter mit Teil zwei unserer Serie zur vorbereiteten Umgebung, der Küche. Küche und Essplatz sind wohl in den meisten Familien der zentrale Wohnbereich. Hier wird gekocht und geputzt, gegessen und getrunken, geredet und gelacht – kurzum Familie gelebt. So nimmt dieser Bereich natürlich auch in einem Montessori-inspirierten Alltag einen wichtigen Stellenwert ein.  
Für eine kindgerechte Umgebung gilt grundsätzlich, dass die Gegenstände darin den physischen und psychischen Kräften des Kindes entsprechen sollen, damit es dort ohne viel Hilfe zurechtkommen kann. Alles in der Wohnung, was auf die Größe und Kraft der Kinder abgestimmt ist, erleichtert es ihnen, die Dinge selber zu tun. Viele Kinder helfen gern im Haushalt. Sie decken auch den Tisch, wenn sie selbstständig an das Geschirr herankommen. Und viele Kinder räumen auch auf, wenn wir ihre Art der Ordnung akzeptieren.“ (aus: „Montessori für zu Hause“ von Claudia Schäfer) 

Bei uns in der Küche haben wir versucht, durch ein paar Möbelstücke und Maßnahmen den Kindern ausreichend Selbstständigkeit zu ermöglichen.
Für den Sohnemann war dies viele Monate lang vor allem sein Learning Tower, den ich euch hier schon einmal vorgestellt habe. Inzwischen wurde der an die kleine Schwester weitergegeben und der Sohnemann nutzt nur noch den einfachen Tritthocker. Er kann ihn gut selbstständig verschieben beziehungsweise dorthin tragen, wo er ihn benötigt. Er liebt es, für uns Eltern oder auch für Besucher mit unserem Vollautomaten Kaffee zu kochen und mit Hilfe seines Hockers kann er dies inzwischen komplett allein.
 
Lange Zeit hatten wir gleich neben unserem Küchenblock ein Küchenregal für den Sohnemann. Darin befanden sich seine Küchenutensilien, er konnte kleinere Arbeiten darauf verrichten und Getränke sowie ein Snack waren darauf immer griffbereit. Das hat sehr gut geklappt – bis das Töchterlein mobil wurde und begann, sich überall hochzuziehen und die Dinge aus dem Regal zu ziehen. Eine neue, sichere Lösung musste her, bis die Kleine etwas älter ist und in der Lage sein wird, verantwortungsvoll mit frei zugänglichen Küchenutensilien und Lebensmitteln umzugehen. So haben wir dem Sohnemann eine Schublade freigeräumt und mit seinen Sachen bestückt. 


Seine Kochschürze, der geliebte Apfelschneider und weitere Küchenarbeitsgeräte finden hier neben seinem Geschirr Platz. Ganz bewusst gibt es bei uns auch für kleine Hände Glas- und Keramikgeschirr. Neben ästhetischen Gründen (trinkt ihr gern aus Plastikbechern?) finde ich es auch wichtig, dass sie lernen, vorsichtig mit echtem Geschirr umzugehen – und das können sie nur, wenn ich ihnen die Verwendung auch erlaube und zutraue. Im vordersten Fach gibt es noch ein paar Snacks zur freien Entnahme. Anstatt die Getränke und Zwischenmahlzeiten auf einem offenen Regal anzubieten, tut uns nun ein kleines Tablett gute Dienste. Meist befüllen wir es nach dem Frühstück gemeinsam und stellen es dann auf den Tisch. Der Sohnemann klettert bei Durst oder Hunger auf seinen Hochstuhl und kann sich bedienen. Ein Lappen oder ein paar Feuchttücher liegen zum anschließenden Reinigen der Hände daneben.



In der Speisekammer, die an die Küche angrenzt, befinden sich neben den Hockern die Putzutensilien der Kinder. 


Der Akku-Staubsauger mit abnehmbarem Handstaubsauger war eine wirklich gute Investition. Schon mit etwa 1,5 Jahren konnte der Sohnemann damit komplett alleine saugen und inzwischen hat er das perfektioniert. Wenn beispielsweise nach dem Frühstück Brösel am Boden liegen, saust er los, holt den Staubsauer und saugt alles weg. Klar ginge das mit einem Besen auch, aber er liebt das Gerät heiß und innig. Des Weiteren gibt es Haken mit Staubtuch, Spülbürste und Staubwedel, ein Körbchen mit Handbesen und Kehrblech sowie einen Korb mit den Fensterputzmaterialien. Die Sprühflasche enthält Wasser und wird zum Putzen von unseren bodentiefen Fenstern, Küchenfronten, Fliesen und Innentüren verwendet. Inzwischen putzen die beiden oft schon zu zweit und haben eine riesige Freude daran.


Wie ist das bei euren Kindern? Mögen die Küchenarbeiten auch so gerne? Ich gebe ja zu, dass ich schwer hoffe, dass diese Begeisterung noch lange anhält ;-). 


Beitrag enthält affiliate links zu Amazon. 

Donnerstag, 27. Juli 2017

Bettzeit ists – über Rituale und Gute-Nacht-Bücher



Kinder brauchen Rituale. 

Mhm, ist das so? Ja, in gewissem Sinne stimmt das wohl. Kinder lieben Wiederholungen und fordern diese auch ein. Bestimmte Fixpunkte und ritualisierte Abläufe im Familienalltag tun Kindern gut, sie können sich daran orientieren und Sicherheit erfahren. Im Zusammenleben mit meinen Kindern habe ich gelernt, dass es den beiden gut tut, wenn ich auf relativ feste Schlafenszeiten achte. Natürlich gibt’s Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen findet der Mittagsschlaf des Töchterleins immer etwa zur gleichen Zeit statt und so schläft sie besser. Das Abendessen ist aus diesem Grund auch zeitlich immer etwa gleich angesetzt, aber abgesehen davon sind wir mit unserer Tagesplanung doch recht frei und flexibel.

Manchmal kommt mir vor, es gibt bei Familien einen Trend zum Komplett-Durchritualisieren, alles muss seinen fixen und immer gleichen Ablauf haben und daran wird nicht gerüttelt. Alle Mahlzeiten und das abendliche Schlafengehen sind ausgiebig mit diversen Ritualen gespickt und laufen immer gleich ab. Das mag bei einigen Familien mit strukturierten Elternteilen durchaus gut funktionieren und wenn es für alle passt, finde ich das wunderbar. Aber für mich wäre es nichts. Ich oute mich als Teilzeit-Chaot, ich werfe gern mal je nach Lust und Laune einen Plan über den Haufen und wir tun das, was uns Spaß macht und gut tut. Da gibts mal mittags nur Müsli und abends warmes Essen oder wir picknicken gleich im Garten. Das abendliche Bettgehen kann gemütlich über eine Stunde dauern mit Baden, Buch anschauen, Singen und Kuscheln – oder bei großer Müdigkeit auch mal nur zehn Minuten mit Katzenwäsche, kurzem Zähneputzen und ab ins Bett. Mich würden allzu fixe Tagesabläufe stressen und von einem bin ich ziemlich überzeugt: Kinder brauchen nicht Rituale um jeden Preis, sondern sie profitieren von entspannten Eltern, die sich nicht verbiegen und die Freude am Zusammenleben mit ihrer Familie haben – wie auch immer dies aussehen mag. Ich glaube, dass Kinder nicht in erster Linie durch Rituale Sicherheit erfahren, sondern durch eine gute Bindung zu ihren Bezugspersonen. Und was das Einschlafritual betrifft, so ist es für meine Kinder das Wichtigste, dass ich einfach da bin. Sie nicht alleine lasse, wenn sie mich zum Einschlafen brauchen – abends und auch jederzeit mitten in der Nacht <3.

  
So, und da es das abendliche Lesen eines Buches bei uns zwar nicht immer gibt, aber doch sehr häufig, stelle ich euch heute mal ein paar Bücher vor, die wir abends gerne anschauen und vorlesen.

Dieses wundervolle Bilderbuch mit zauberhaften Reimen und schönen Zeichnungen lädt zum Mitmachen ein, so streiche ich den Kindern beim Vorlesen übers „Fell“, gebe ihnen einen Schmatz, kraule das Ohr, stupse mit der Nase an oder umarme ganz fest. Der Sohnemann kann die Verse komplett auswendig und liebt das Buch sehr.

Auch diese nette Geschichte ist in Reimform gehalten und endet mit dem Einschlafen des kleinen Bären.

Ich persönlich finde dieses Buch richtig genial, es ist wirklich witzig geschrieben und auf jeder Seite wird einmal kräftig gegähnt – ein Buch, das müde macht ;-). Allerdings ist es für einen Zweijährigen und eine Einjährige zu lang und auch die dünnen Seiten sind für unsere Kinder noch nicht so geeignet. Für etwas ältere Kinder aber absolut empfehlenswert.

Dieses Büchlein hat uns eine liebe Freundin geliehen und wir mögen es wirklich sehr. Die Reime sind wirklich lustig und meist muss ich es mehrmals hintereinander lesen.

Aus der Reihe „Meine allerersten Minutengeschichten“ haben wir mehrere Bücher und dieses hier beinhaltet ganz kurze Gute-Nacht-Geschichten. Pro Doppelseite gibt es eine illustrierte Geschichte. Nicht alle einzelnen gefallen mir persönlich, aber der Sohnemann mag das Buch dennoch sehr gern.

Dieses Buch bekam der Sohnemann von der Oma zur Taufe und es enthält total schöne kindgerechte Gebete.


Und nun bleibt mir nicht mehr, als euch allen eine gute Nacht zu wünschen. Schlaft schön :-)!  


Text enthält affiliate-Links zu amazon

Kleine Haushaltshelfer - Ein Gastbeitrag für die Wunderwerkstatt

Ich freue mich sehr, dass ich für Manuela und Michael von der Wunderwerkstatt einen Gastbeitrag erstellen durfte. Ihr findet darin einige Ideen, wie kleine Kinder freudvoll Haushaltstätigkeiten üben können. Schaut doch vorbei und entdeckt die wunderbar große Ideensammlung der Wunderwerkstatt.

Tabletts für kleine Haushaltshelfer


Montag, 3. Juli 2017

10 Tablett-Aktivitäten mit 1 Jahr



Nachdem mein Beitrag mit den 10 Tablett-Ideen für den Sohnemann gut ankam bei euch, habe ich euch auch die aktuellen Beschäftigungen des Töchterleins dokumentiert. Klassische Übungen des täglichen Lebens nach Montessori sind für dieses junge Alter noch nicht vorgesehen, aber ich habe wieder versucht, mich an den Interessen und Fähigkeiten des Kindes zu orientieren und dazu passende Angebote zu erstellen. Außerdem ist mir auch bei der Kleinen wichtig, dass das Material vielfältig, formschön und nicht zu allzu bunt ist. Weniger ist manchmal mehr. 

Für mich war es wirklich spannend, wie intensiv das Töchterlein mich im Umgang mit dem Material schon beobachtet und auch wie ungeheuer geschickt sie in vielen Dingen schon ist. In diesem Alter schreitet die Entwicklung so rasend schnell voran, dass ich immer wieder nur staunen kann.



Bänder ziehen: Wann immer das Töchterlein irgendwo Bänder entdeckt, sei es das Band meines Hoodies, ein Schuh- oder Geschenkband, zieht sie begeistert daran. So habe ich durch ein schlichtes Körbchen mehrere Stücke Dekoband gezogen und außerhalb verknotet.


Wäscheklammern: In einem schönen Körbchen mit Deckel habe ich einige Wäscheklammern aus Holz bereitgestellt. Diese werden ausgeräumt, mit Händen und Mund erforscht, gegeneinander geklopft und wieder eingeräumt. Auch das Öffnen und Schließen des Korbdeckels bereitet dem Töchterlein Freude.



Schraubdeckel: Der absolute Hit seit mehreren Wochen sind Gläser mit Schraubdeckel. Hat sie anfangs nur Glas und Deckel gegeneinander geklopft und sich an dem entstehenden Geräusch erfreut, übt sie nun schon ganz gezielt das Auf- und Zuschrauben des Deckels und inzwischen klappt es schon häufig. Mit den Gläsern beschäftigt sie sich wirklich lange allein und ich staune immer wieder über die Konzentration, die sie dabei an den Tag legt.


Musik machen: Gemäß dem Motto "Weniger ist mehr" habe ich nur zwei kleine Elemente aus dem Musikmacher-Set von Haba (aff) ausgewählt und auf dem Tablett angeboten.


Spielzeug waschen: Wie auch der große Bruder liebt es das Töchterlein, Dinge zu putzen und so ist diese Tablett-Idee entstanden. In einem Schälchen befinden sich ein nasser Waschlappen und eine kleine Bürste aus meiner Küche. Damit wird das Spielzeugauto gründlich geschrubbt und geputzt.



Rein damit: In eine kleine Chipsdose habe ich einen breiten Schlitz geschnitten, so dass die Verschlussdeckel unserer Milchverpackungen genau hinein passen. Ich war anfangs etwas unsicher, ob das schon klappt, aber völlig zu unrecht. Innerhalb kürzester Zeit hat sie begriffen, wie sie die Deckel halten muss und die Freude im Gesicht war groß, als sie den ersten versenkte. Im Übrigen eignen sich hierfür auch die Deckel von Babybrei-Gläschen recht gut, die machen zudem ein schönes Geräusch. Wir hatten nur dank blw-Kind keine da ;-).


Kapseln verteilen: Ein leerer Eierkarton und zehn Stück einer passenden „Füllung“ (in meinem Fall Kaffeekapseln) ergeben eine schöne Legeübung. Da das Töchterlein noch gern alles in den Mund nimmt, wollte ich kein zu kleines Material verwenden, sonst wären auch gut Kastanien oder dergleichen denkbar. 



Kartonmalerei: Dieses erste Kunst-Angebot eignet sich wunderbar für kleine Malanfänger. Ein Stück brauner Karton lässt sich mit einem Borstenpinsel und Wasser „bemalen“. Kurz danach verschwinden die Striche wieder und es kann von neuem losgelegt werden. Das Töchterlein mag es sehr.


Klettverschlüsse öffnen und schließen: Eigentlich wollte ich einen Anziehrahmen nach Montessori mit Klettverschlüssen für das Töchterlein basteln. Mangels Zeit und Material habe ich mich für die einfache Alternative entschieden und im Schuhschrank nach einem gut erhaltenen Paar Hausschuhen des Sohnemanns gesucht, denen er schon entwachsen ist. Die Verschlüsse werden nun nach Herzenslust geöffnet und geschlossen. 



Raus damit: Aus der Vorliebe des Töchterleins, im Bad ständig Feuchttücher zu mopsen, ist dieses Angebot aus einer leeren Feuchttücherbox und langen Stoffstreifen entstanden.

Und nun: Was mögen oder mochten eure Kinder mit einem Jahr gern? Ich freu mich über weitere Ideen :-).